Eine entspannte Stunde auf der Herforder Straße zum Feiertag


Bild: Provisorischer Radweg (Sievekingdamm in Hamburg am 30. Juli 2020) von Photo Graf auf Flickr. Lizenz: CC‑BY‑SA 2.0.

Am Donnerstag, dem 3. Juni (Fronleichnam) zwischen 15 und 16 Uhr laden wir ein, auf einem kurzen Abschnitt der Herforder Straße ein neues Fahrgefühl zu erleben. Dazu bauen wir stadteinwärts zwischen Beckhausstraße und August-Bebel-Straße eine „Pop‑Up Bike Lane“ (provisorische geschützte Radspur) auf. Wir möchten damit zeigen, wie ein sicherer Radverkehr an Hauptverkehrsstraßen aussehen kann, und der Politik Mut machen, die geplanten Veränderungen an der Artur-Ladebeck-Straße und an der Herforder Straße auf den Weg zu bringen. Die Aktion am 3. Juni ist Teil des Weltfahrradtags, der international u. a. von Fahrradinitiativen begangen wird. Wir schließen damit an unsere Aktion vom 29. Juni 2019 an, als wir auf der Artur-Ladebeck-Straße eine geschützte Radspur demonstrierten.

Weil die Corona-Pandemie trotz aktuell sinkender Zahlen nicht überwunden ist, bitten wir alle Beteiligten, auf Abstände zu achten und in Gruppen Masken zu tragen.

Die Herforder Straße ist Teil der wichtigen Fahrradverbindung von Herford nach Bielefeld. Zwischen der Innenstadt und der Ziegelstraße verlaufen mit der Herforder und der Eckendorfer Straße zwei für den Autoverkehr vierspurig ausgebaute Hauptstraßen parallel im Abstand von 350 Metern. Für den Radverkehr sind diese beide Straßen abschreckend und gefährlich. Eine Alternativroute ist weder hier noch im weiteren Verlauf in Richtung Brake und Herford vorhanden. Auf manchen Abschnitten der Herforder Straße wird dem Radverkehr gar kein Angebot gemacht, so auch zwischen Beckhausstraße und August-Bebel-Straße – ein Abschnitt, der nicht nur für den Radverkehr aus Richtung Herford, sondern auch aus Teilen von Schildesche genutzt wird.

Die Herforder Staße ist im Radverkehrskonzept der Stadt als Hauptroute der Kategorie 1 eingestuft. Außerdem ist sie ein Teil des geplanten Radschnellwegs Rheda-Wiedenbrück – Gütersloh – Bielefeld – Herford – Minden. Hier muss also Platz für den Radverkehr eingerichtet werden. Es gibt jedoch auch konkurrierende Pläne: Zwischen Baumheide und Brake ist in Zusammenhang mit der L 712n ein vierspuriger Ausbau vorgesehen. Weiter südlich am vorgesehenen Radschnellweg wird ein vierspuriger Ausbau der B 61 zwischen Ummeln, Gütersloh und Rheda-Wiedenbrück diskutiert. Diese Projekte liegen in der Hoheit der Landesregierung. Sie sind nicht nur ein Rückschritt aus Sicht der Umwelt und der Verkehrspolitik, sondern könnten auch Tatsachen schaffen, die eine Trassierung des Radschnellwegs gefährden.

Die Stadt plant für das Jahr 2023 eine Umgestaltung der Herforder Straße mit je einer geschützten Radspur (Protected Bike Lane) in beiden Richtungen zwischen Innenstadt und Baumheide. Wir begrüßen die geplanten Maßnahmen an der Herforder Straße – aber wir fragen auch, warum dies nicht bereits 2021 geschehen kann. Und wir möchten der Stadt Mut machen, an diesen Plänen auch gegen die zu erwartenden Widerstände festzuhalten.

Wir wollen Pop‑Up Bike Lanes – mit einfachen Mitteln eingerichtete geschützte Fahrradspuren – in der Stadt sehen, auch an Strecken, die nicht Teil des geplanten Radschnellweges sind. Hierfür gibt es seit Beginn der Corona-Pandemie viele Beispiele in Deutschland und weltweit. Die Erfahrungen aus anderen Städten zeigen: Werden Autospuren weggenommen, kann der Verkehr wider Erwarten besser fließen und die Lebensqualität an der Straße und im Umfeld steigt – so zum Beispiel in New York (ähnliche Erfahrungen gibt es dort auch mit Busspuren). Auch andere Beispiele wie etwa in Seoul zeigen, dass es dem Verkehrsfluss hilft, den Verkehrsraum des Autoverkehrs zu reduzieren. Dass die Stadt sich hier bisher nicht engagiert hat, halten wir für ein Versäumnis, das auch jetzt noch korrigiert werden könnte.

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