Die 11 Ziele

Vorwort

Landauf, landab verstehen Planer und Entscheider unter Radverkehrsförderung heute vor allem eines: die sichere Abwicklung des Radverkehrs mit den existierenden Radfahrern im bestehenden System. Diese Denkweise ist eine Sackgasse. Eine zukunftsweisende Radverkehrsförderung hat dagegen das Ziel, Menschen neu für den Alltagsradverkehr zu gewinnen. Das gelingt nur, wenn die Menschen mit ihren Bedürfnissen im Mittelpunkt von Stadt- und Verkehrsplanung stehen.

Die zukunftsweisende Radverkehrsförderung kennt keine Autofahrer und Radfahrer, sondern Menschen mit einem Mobilitätsbedürfnis. Sie wählen jenes Verkehrsmittel, das ihre persönlichen Bedürfnisse am besten erfüllt. Vor allem im Nahbereich und beim innerstädtischen Verkehr kann dies in vielen Fällen das Fahrrad sein – wenn die Rahmenbedingungen der bebauten Umwelt stimmen und Anreize setzen, sich in den Sattel zu schwingen.

Thiemo Graf, aus „Handbuch: Radverkehr in der Kommune“,
Institut für innovative Städte (Herausgeber)

Die 11 Ziele des Radentscheid Bielefeld (vorläufig):

 

Ziel 1: Fahrradstraßen

Die Stadt errichtet pro Jahr mindestens 10 Kilometer Fahrradstraßen ohne motorisierten Durchgangsverkehr und mit Vorfahrt. Schwerpunkt: Wege zu Schulen und Jugendeinrichtungen.

Fahrradstraße vor Schule (Quelle: Miriam Friedrich/Radentscheid Bamberg)

Kreuzung an einer Fahrradstraße (Quelle: Graf, Thiemo: Handbuch: Radverkehr in der Kommune, 2016)

Anmerkung (kein Teil der offiziellen Forderungen): Fahrradstraßen sind die besonders starken und besonders sichtbaren Elemente eines sicheren und komfortablen Radnetzes.

Ziel 2: Sichere und attraktive Radwege

Die Stadt errichtet an Hauptstraßen pro Jahr mindestens 5 Kilometer geschützte Radwege:

a) mindestens 2,5 Meter breit je Richtung
b) asphaltiert und ohne Absenkungen an Nebenstraßen und Einfahrten
c) baulich getrennt vom ruhenden und fahrenden Kraftverkehr
d) nicht zum Halten für Kfz nutzbar
e) getrennt vom Fußverkehr
f) mit Fahrradstraßen und anderen Radwegen vernetzt

(Quelle: Graf, Thiemo: Handbuch: Radverkehr in der Kommune, 2016)

Anmerkung (kein Teil der offiziellen Forderungen):

Mit Hauptstraßen ist gemeint: Die vom Kraftverkehr gefahrene Geschwindigkeit ist höher als 30 km/h und/oder die Straße weist ein hohes Kraftverkehrsaufkommen auf und/oder der Anteil an Bus-/Schwerlastverkehr ist hoch.

Ziel 3: Sichere Kreuzungen und Kreisverkehre

Die Stadt gestaltet pro Jahr mindestens 5 Kreuzungen oder Kreisverkehre um oder neu:

a) Radwege werden über Kreuzungen und Kreisverkehre sichtbar fortgesetzt
b) geradeaus fahrende Radfahrer werden vor abbiegenden Kfz geschützt

Sicheres Kreuzungsdesign (Graf, Thiemo: Handbuch: Radverkehr in der Kommune, 2016)

Video: Sicheres Kreuzungsdesign in den Niederlanden (englisch)

Ziel 4: Fahrradfreundliche Ampeln

Die Stadt optimiert jährlich mindestens 5 Ampelkreuzungen:

a) separate Rad-Ampeln mit Zeitvorlauf oder eigener Grünphase für Radverkehr
b) Fahrräder werden automatisch erkannt
c) Radfahrer können Kreuzungen ohne Zwischenstopp überqueren
d) Radfahrern wird das freie Rechtsabbiegen ermöglicht

Ziel 5: Radschnellwege für Pendler

Die Stadt errichtet auf städtischem Gebiet mindestens 5 Kilometer kreuzungsfreie Radschnellwege pro Jahr, zum Beispiel von der Innenstadt zur Universität oder in Richtungen Gütersloh und Herford, und setzt sich für die Errichtung von Radschnellwegen über die Stadtgrenzen hinaus ein.

Freiburg: Radvorrangroute FR1 (Foto: Dirk Schmidt | Creative Commons CC0)

Ziel 6: Fahrradstellplätze

Die Stadt errichtet eine hochwertige Radstation am Hauptbahnhof, gesicherte Großparkplätze bei Großveranstaltungen und pro Jahr mindestens 1000 weitere diebstahlgeschützte Fahrradstellplätze:

a) überdacht an wichtigen Orten wie Schulen, Bus- und Bahnhaltestellen
b) Fahrradboxen in Wohngebieten. Gehwege werden dabei freigehalten

Ziel 7: Radwege pflegen und nutzbar halten

Die Stadt befreit Geh- und Radwege ganzjährig von Glas, Schnee, Laub und hält sie von Hindernissen frei. Bei Bauarbeiten werden fahrradfreundliche Vorbei- oder Umleitungen eingerichtet. Die Stadt informiert online über den Bearbeitungsstand von selbst erkannten sowie von Bürgern gemeldeten Mängeln an Wegen. Mängel können schriftlich, per App und über eine Webseite der Stadt gemeldet werden.

Ziel 8: Schutz vor rechtsabbiegenden Lkw/Bussen

Um Radfahrende vor Tote-Winkel-Unfällen zu schützen, statten die Stadt, städtische Betriebe und Unternehmen in städtischem Besitz (moBiel, Stadtwerke, BBF usw.) ihre Fahrzeuge (ab 3,5 t) mit elektronischen Abbiegeassistenten aus. Sie rüsten den Bestand nach und schaffen nur noch damit ausgestattete Neufahrzeuge an.

Ziel 9: Mehr Miteinander – mehr Disziplin

Die Stadt sorgt dafür, dass das Halten mit Kfz auf Geh- und Radwegen unterbunden wird und richtet dazu eine Fahrradstaffel des Ordnungsamtes ein.

Die Stadt informiert und sensibilisiert die breite Öffentlichkeit, um aggressives Verkehrsverhalten zu verringern und bemüht sich bei den zuständigen Landesbehörden um die Präsenz einer Polizei-Fahrradstaffel.

Ziel 10: Bielefeld wirbt für mehr Radverkehr

Die Stadt bewirbt Radfahren positiv und setzt Anreize, mit dem Fahrrad zur Arbeit, zur Schule und zum Einkaufen zu fahren sowie Güter und Personen mit dem Fahrrad zu transportieren.

Ziel 11: Effizienz und Effektivität

Die Stadt schafft die Voraussetzungen dafür, dass die Ziele des Radentscheids bestmöglich umgesetzt werden. Sie veröffentlicht jährlich einen Bericht über den Umsetzungsstand. Radverkehrsverbände und interessierte Bürger werden fortlaufend an Planung und Entwicklung beteiligt.

 


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